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frischer wels vom ostkreuz.

Irgendwo im Friedrichshain, hinter Büschen versteckt in einem Gewächshaus, steht die Aquaponik-Anlage des Berliner Start-Ups TopFarmers – Urban Farming 2.0.

Seit nun mehr einem Jahr beschäftigt sich das Unternehmen mit Urban Farming, einer Form der nachhaltigen Landwirtschaft in der Stadt.
Dabei sollen Lebensmittel in möglichst konsumentennahem Umfeld erzeugt werden und gleichzeitig Ressourcen und freie Räume der Stadt effizient genutzt werden.
Die Idee des Unternehmens heißt Aquaponik – eine Methode, bei der Fischzucht (Aquakultur) mit Pflanzenzucht auf dem Wasser (Hydroponics) kombiniert wird. Das funktioniert denkbar einfach: „Die Fische machen ins Wasser, die Pflanzen nutzen das als Dünger und sind gleichzeitig Kläranlage für das Wasser, das zurück zu den Fischen fließt.“ (Quelle: http://www.topfarmers.de/ueber-uns/aquaponik/)

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Schon die Azteken haben sich dieses Prinzip zunutze gemacht, noch schon bevor es den Begriff Aquaponik überhaupt gab.
Damals prägten raue Bergregionen, tiefe Sümpfe und große Seen das Land (heutiges Mexiko). Geeignete Ackerflächen gab es kaum. Also behalfen sich die Azteken eines cleveren Tricks:
Aus Binsen und Schilf fertigten sie Flöße, die sie wiederum mit dem Schlamm des Sees und der Erde der Ufer bedeckten und pflanzten auf diesen sogenannten “Chinampas” Obst und Getreide.
Die Wurzeln der Pflanzen ragten mit der Zeit ins Wasser und waren ständig mit Feuchtigkeit versorgt. Durch den Stoffwechsel der Pflanzen und die Nährstoffe aus den tierischer Abfälle entstand ein regelrechter Kreislauf.

So ähnlich geht es bei den Top Farmers zu.
Große Wassersilos beherbergen gut 200 afrikanische Raubwelse, die auf Grund ihres Naturells sehr gut mit der auf den ersten Blick engen Raumsituation klarkommen.
Durch einen groben bakteriellen Filter werden die Fischfäkalien in das Bewässerungssystem der benachbarten Pflanzen geleitet, die sich daraus wiederum ihre benötigen Nährstoffe ziehen. Das Wasser wird pflanzlich gereinigt und kann wieder in die Fischbecken einfließen. Ein nahezu geschlossener Kreislauf.
Zur Zeit experimentiert das Startup mit den verschiedensten Pflanzenarten, um beste Wachstumsbedingungen zu ermitteln. Chilli, Banane und Basilikum sind gerade hoch im Kurs und auch heimische Pflanzen sollen ihren Platz im Aquaponiksystem finden. Doch wie jede Form der Landwirtschaft, sind auch die Pflanzen im Gewächshaus Friedrichshain von Sonnenlicht abhängig und so ist die Wintersaison bereits eingeleitet.

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Ist ein funktionierendes Kreislaufsystem erst einmal hergestellt, kann eine Aquaponikanlage gänzlich ohne Zusatzstoffe, Düngemittel oder Medikamente auskommen und so soll es bei Top Farmes in Zukunft ausschließlich Bio-Produkte geben. Dabei muss nur noch eine Lücke geschlossen werden, nämlich die des Futters. Hier muss bisher noch auf konventionelles Futter zurückgegriffen werden, das keinen besonders guten ökologischen Fussabdruck hinterlässt.
Doch um Tim Olk, den technischen Leiter von TopFarmers zu zitieren: “muss man, wenn man eine Idee hat, irgendwo und irgendwann einmal anfangen, um die Probleme, die auf einen zukommen zu erkennen und zu lösen”.

Mich hat der Besuch bei Top Farmers überzeugt und ich kann mir gut vorstellen, dass die Aquaponik in Zukunft einen festen Platz in der Nahrungsmittelindustrie einnehmen wird. Ob sie jedoch den konventionellen Ackerbau, mit der Erde, ihrem facettenreichem Mineralstoffgehalt und dem unberechenbare Wetter, das die klassische Landwirtschaft nunmal zu dem macht was sie ist, ersetzt, sei dahingestellt.

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Neben der Besichtigung der Anlage stand zu guter Letzt noch eins auf dem Programm: Wels!
Denn neben dem dort angebauten Obst und Gemüse, soll natürlich auch der Fisch seinen Platz im städtischen Kühlschrank erhalten.

Reich an Proteinen und Omega-3 Fettsäuren ist Fisch allgemein super gesund, und ein leider viel zu selten gegessenes Produkt in unseren Küchen geworden. Überfischung und die schlichtweg nicht schmeckenden, Antibiotika vollgepumpten Massen-Zuchtfische sind starke Gegenargumente, denen die Aquaponik-Anlage der Top Farmers aber den Wind aus den Segeln nimmt!

Ich habe meinen 1,2 kg Wels (13€/kg) jedenfalls wahrlich genossen und wie unten zu erkennen gebührend zubereitet. Wenn es euch also auch bald mal nach zartem, festen Fischfilet gelüstet, lege ich euch einen Besuch bei Top Farmers wärmstens ans Herz. Top Farmers

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Man könnte fast meinen: “Je hässlicher der Fisch…

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… desto leckerer das Mahl. – Penang Curry vom Berliner Wels mit Pak Choy und sticky Rice. ”

Cheers!

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tafelgold

Foodie. Koch. Foodstylist. Blogger.

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