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afrika part l | ein reisejournal.

7 Wochen Afrika | Jagen. Metzgern. Kochen. Das Leben genießen.Nord-Ost Afrika.
Irgendwo zwischen Okahandja und Otjiwarongo liegt die Ritter-Safari Farm.Familie Ritter, das sind Rolf, Marion und 4 Kinder, bewirten die Farm in 3. Generation.
Vor gut hundert Jahren machte sich Rolfs Großvater auf den Weg nach Deutsch-Südwestafrika, um hier seine Existenz zu gründen. Wirtschaftliche Basis war die Rinderzucht, die sich immer weiter ausbreitete und heute einen Bestand von (….) Rinder zählt. Was in Deutschland als Familienbetrieb nur mit einer großen Mast-Mastzuchtbetrieb zu bewerkstelligen wäre, wird in Afrika auf entsprechend großem Land verteilt.
Auf 25.000 Hektar, einer Fläche, die etwa dem Stadtkreis Münchens entspricht, können die Tiere wie einst in freier Wildbahn leben. (Auch wenn sie ein weit entfernter Zaun von möglichen Fluchtversuchen abhallten würde.)
Die Nahrung der Tiere auf der Farm (Rinder & Wild), bilden Gräser, Büsche & Bäume, die die Natur zur Verfügung stellt. Außer Salz wird den Tieren keine zusätzliche Nahrung zugeführt, was zu einem langsamen aber umso gesünderen Wachstum der Tiere führt.
Man könnte es BIO nennen, oder einfach artgerechte Tierhaltung.
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Ein zweites Standbein der Farm ist die Jagd und die Vermarktung des Wildfleisches.
Wer Jäger ist und seinen Erfahrungsschatz erweitern möchte, der bekommt hier die Gelegenheit, die für uns exotischen Tiere zu erlegen.
Immer in Begleitung eines erfahrenen und ortskundigen Jagdführers, können Jäger aller Herren Länder Antilopen, Warzenschweine oder andere nicht-geschützte Tiere schießen und später die heimischen Wohnzimmer & Jagdhütten mit starken Trophäen zieren.
Zudem ist das Fleisch von Oryx, Kudu, Eland & Co. äußerst delikat und (leider) nur in Afrika hoch im Kurs. So werden wöchentlich mehrere Kilo Steaks, Trockenfleisch, Rauchfleisch, Hackfleisch, Wurst oder Filetstücke an Supermärkte und Haushalte in Namibia versand.
Der Fleischbedarf in Afrika ist groß!
Und weil es sich geradezu anbietet, gibt es auf der Farm nicht nur für Jäger, sondern auch für alle anderen Afrika- & Safaribegeisterten wunderschöne Zimmer mit Vollpension – Pool inclusive!
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Da ich mit der Familie Ritter glücklicherweise verwandt bin, ergab sich schließlich für mich die Gelegenheit für 7 Wochen auf der Farm mit anzupacken.
Ich muss zugeben, dass meine Erwartungen nicht besonders hoch waren. Nicht weil ich mich nicht auf die Familie und die Reise freute, sondern vielmehr, weil ich keine genauen Vorstellungen hatte was, mich erwartete. Zudem war Afrika nie auf meiner “Must-Visit”-Liste und in Sachen Foodkultur hört man aus Afrika nun auch nicht sehr viel…
Aber wie sagt man so schön: „Stets findet Überraschung statt. Da, wo man’s nicht erwartet hat.“ – Wilhelm Busch.Als ich Anfang Juni in Windhoek landete, aus dem Flieger stieg und den überschaubaren Flughafen betrat, schien die Sonne. An diesem Zustand sollte sich für die nächsten 7 Wochen nichts ändern. Es ist Winter in Namibia und gefühlte 23 Grad warm!Nach kurzem Spaziergang durch die Windhoeker Innenstadt, die ein bisschen einer deutschen Kleinstadt ähnelt, empfingen mich am Abend Marion und Reinhardt, der Jüngste, der vier Geschwister, und wir kehrten in den allseits bekannten Pub – Joe’s Beer Bar – ein.
Das Ambiente der Bar würde ich irgendwo zwischen „Afrika-Look“-Restaurant & urdeutschem Biergarten einordnen. Und wer noch nie zuvor afrikanisches Wildfleisch probiert hat (so wie ich), der bekommt hier eine groooße Auswahl! Dazu frisch gezapftes Pils und wer mag eisgekühlten Jägermeister…Meine nächste Überraschung sollte nicht lange auf sich warten lassen! Denn anstatt mit dem Auto 3 Stunden über Schotterpisten zu cruisen, fand ich mich selbst am nächsten Morgen auf dem Windhoeker Privatflughafen wieder.
Das „Super-Leicht“ Flugzeug hatte Platz für Ulli, der Pilot ist und zugleich Rolfs Bruder, und mich. Und auch, wenn wir mit meinem 5kg „schweren“ Handgepäck schon fast Übergewicht hatten, ging es nach kurzem Smalltalk mit dem Tower ab auf die Piste. Kurze Beschleunigung (gefühlte 10m) und schon hoben wir ab.
Fliegen kann so einfach sein und bekommt eine ganz neue Bedeutung, wenn die Wände nicht dicker sind, als die eines Twingos, und das Flugzeug fast nur aus Plexiglasscheiben besteht, die einem einen atemberaubenden Blick über das namibianische Hochland gewähren. Absolut super!
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Nach etwa einer Stunde erreichten wir die Farm, die mit ihren hoch wachsenden Zypressen und Palmen einen markanten Fleck in der eintönigen Savanne markiert – oasengleich.
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Sanft setzten wir auf der roten Sandpiste auf.
Das Empfangskomitee bildeten Rolf und Snoopy, die hofhütende Dackeldame.Ich war am Ziel – irgendwo in Afrika. Mega gut!
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Die nächsten 7 Wochen waren ein stetes „Berg auf“ – Gefühl. Nicht, dass ich je ein „Down“ hatte, es wurde einfach nur mit jedem Tag schöner!
Meine Hauptaufgabe bestand darin, täglich Familie und Gäste zu bekochen. Lunch, Kuchen & Kekse und Dinner waren mir anvertraut. Für das üppige Frühstück und das köstliche, selbstgebackene Brot war Erminia, die Küchenfee, zuständig, die mir auch darüber hinaus tatkräftig in der Küche half.
Einmal in der Woche (mindestens) wird „gebraaiet“. Was wir als Grillen oder die Amis als BBQ kennen, nennen die Afrikaner „Braaien“. Landesweit beliebt und fast als Nationalsport anzuerkennen, geht es beim Braaien hauptsächlich um Feuer, Gesellschaft und einen Haufen Fleisch! Fehlen darf beim Braaien nie die Boerewors (Afrikaans für Bauernwurst), eine koriander-würzige Wurstschnecke aus allem Möglichen (Oryx, Giraffe, usw.).
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Außerdem heiß beliebt ist der Kartoffelpot, für den hauptsächlich Kartoffeln, Pilze, Zwiebeln, Bier und Sahne im Poikie, einem gusseisernen Dreibeintopf, ein gutes Stündchen über glühender Kohle schmurgeln und zu einem rustikalen Aromateppich verschmelzen.
Alternativ zum Braaien, aber ebenso outdoor-aktiv, ist der Poikie. Ein Eintopf aus Fleisch, Gemüse und allem was weg muss, der im gleichnamigen Topf 2 Stunden überm Feuer kocht.
Dazu frisches Brot und kühles Bier. Ohne Worte!
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Gab es in der Küche mal nichts zu tun, war in der Schlachterei immer was los. Sien, der Metzger, ist mit zwei Gehilfen für die gesamte Fleischverarbeitung des gejagten und teilweise zugekauften Wildfleisches zuständig. Das können schon mal 30 Tiere am Tag sein…
Keulen, Schultern & Rücken auslösen, Teilschnitte vakuumieren, Steaks, Rauchfleisch und Biltong schneiden, Hackfleisch wolfen, Wurstbrät in Saitlinge spritzen, Rauchfleisch würzen und räuchern, Biltong trocknen, usw…
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Für mich war das eine besonders tolle Praxiserfahrung und Fortbildung im Bereich Tier-Anatomie.
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Alleine die Tatsache eine eigene Fleischerei nur 10 Schritte von der Küche entfernt zu haben, sollte das Herz eines Koches höher schlagen lassen.
Was kochen wir eigentlich heute? Ein Blick ins reich gefüllte Kühlhaus machte mir die Entscheidung nicht leicht, aber umso spannender. Ob Elandfilet, Warzenschweinmedallions, Oryxleber oder Giraffensteaks – gekocht wurde was gejagt und lange genug abgehangen war. Ich durfte mir nehmen, was ich wollte und daraus zaubern, was mir gefiel – Das ist für mich Freiheit und Vergnügen!
Neben all der Arbeit darf das Vergnügen natürlich nicht zu kurz kommen. Auch wenn die Arbeit für mich bereits ein Vergnügen darstellte, gab es Aktivitäten, die eine willkommene Abwechslung darstellten:
°Sonntagsfahrt mit Jeeb und Fernglas durch den privaten Wildkamp
°mit dem Motorrad durch den Busch brettern
°mit den Hunden Gassi-joggen
°den Gemüsegarten hegen und pflegen
°Gin & Tonic auf dem Rooftop zum täglichen Sonnenuntergang genießen
°Die Haus und Hofgiraffe füttern
°Safari im Etoscha-Nationalpark
°und, und, und…
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Und dann gab es ja noch die JAGD…

 

Fortsetzung folgt…

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Foodie. Koch. Foodstylist. Blogger.

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